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Experteninterview mit Dr. Montanari zum Thema Intimchirurgie
infoMEDIZIN, 30.09.2014

Brustvergrößerungen, Fettabsaugungen oder Faltenbehandlungen gehören heutzutage zu den gängigen und von der Gesellschaft anerkannten Eingriffen der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie. Anders verhält es sich dagegen mit der Intimchirurgie. Der Umgang mit intimchirurgischen Eingriffen, wie etwa einer Schamlippenverkleinerung (Labioplastik) oder Vaginalstraffung, zählt noch für viele Frauen zu einem Tabuthema, auch wenn sie sich mit dem Zustand ihres Intimbereichs unwohl fühlen. Einer professionellen Beratung weichen viele betroffene Frauen aus - zu groß sind die Scham und Angst vor einer Operation im intimsten Bereich des Körpers. Beeinträchtigungen im Schambereich können auf Dauer allerdings zur körperlichen und psychischen Belastung führen.

Die Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie Dr. med. Michaela Montanari hat sich in ihrer Praxis in Bochum auf die Intimchirurgie spezialisiert. Als weibliche Chirurgin stellt sie für ihre Patientinnen eine vertrauensvolle Ansprechpartnerin dar. Dank ihrer langjährigen Erfahrung kennt sich die Chirurgin bestens mit den Fragen rund um das Thema Intimchirurgie aus. In einem persönlichen Interview hat Frau Dr. Montanari unsere Fragen zu diesem sensiblen Thema beantwortet.

info Medizin: Frau Dr. Montanari, die Intimchirurgie zählt für viele Frauen immer noch zu einem Tabuthema. Woran, glauben Sie, liegt das?

Dr. Montanari: Die Intimchirurgie ist tatsächlich ein Bereich, der immer noch mit großer Scham behaftet ist. Viele meiner Patientinnen haben bereits einen langjährigen Leidensweg hinter sich, bevor sie sich trauen einen Arzt aufzusuchen. Wenn die Betroffenen dann aber „über ihren Schatten“ springen und zu mir in die Praxis kommen, sind sie vor allem erleichtert zu hören, dass es sich bei ihrem Problem um keinen Einzelfall handelt und Ihnen geholfen werden kann.

info Medizin: Haben Sie im Laufe Ihrer Tätigkeit als Chirurgin bereits eine Entwicklung bzw. einen Unterschied im Vergleich zu früher erlebt: Kommen heute mehr Frauen zu Ihnen, um im Intimbereich operiert zu werden?

Dr. Montanari: Ja, in den letzten Jahren ist es für Frauen schon wesentlich einfacher geworden zu diesem Problem zu stehen und den Mut aufzubringen etwas verändern zu lassen. Ich glaube, einen großen Bruch hat der Trend des Rasierens im Intimbereich mit sich gebracht. Bei vielen Frauen ist so die Aufmerksamkeit auf diesen Bereich gestiegen. Zudem bietet das Internet die Möglichkeit sich bspw. in Foren mit anderen Frauen auszutauschen. Vielen Patientinnen hilft es zu wissen, dass es auch andere „Leidensgenossinnen“ gibt. Was ich auch oft merke, ist dass viele meiner Patientinnen beruhigt sind, wenn sie das Thema mit mir sozusagen „von Frau zu Frau“ besprechen können.

info Medizin: Welche Behandlungsmöglichkeiten innerhalb der Intimchirurgie bieten Sie in Ihrer Praxis an?

Dr. Montanari: Die häufigste Behandlung, die ich diesem Bereich anbiete, ist die Schamlippenverkleinerung. Schamlippenvergrößerungen sind seltener gefragt, biete ich jedoch auch an. Ebenfalls von Bedeutung ist der Ausgleich von Asymmetrien der Schamlippen. Wenn etwa eine Schamlippe größer als die andere ist, leiden viele Patientinnen darunter. Ebenso biete ich die Wiederherstellung von Jungfernhäutchen an – hier besteht ebenfalls eine große Nachfrage. Ein weiteres Thema, das auch hin und wieder in den Medien aufgetaucht ist, ist die so genannte „G-Punkt-Vergrößerung“. Beim G-Punkt handelt es sich um ein definiertes Areal, das man mit Hyaluronsäure vergrößern kann, um die Reizbarkeit an dieser Stelle zu erhöhen. Gerade in den USA ist die G-Punkt-Vergrößerung bereits ein gefragter Eingriff. Hierzulande ist dieser Bereich noch nicht so bekannt, dennoch habe ich zunehmend Patientinnen, die sich dieser Behandlung unterziehen möchten.

info Medizin: Aus welchen Gründen fragen Ihre Patientinnen nach einem intimchirurgischen Eingriff?

Dr. Montanari: Häufig handelt es sich um eine Kombination aus ästhetischen und medizinischen Gründen. Für die meisten Frauen spielt der ästhetische Aspekt eine große Rolle. Aber es gibt auch viele Frauen, die Schwierigkeiten beim Geschlechtsverkehr oder bei sportlichen Aktivitäten, wie Fahrradfahren oder Reiten, haben. Ebenso beim Tragen enger Kleidung oder Dessous kann eine Einschränkung entstehen. Doch auch wenn es sich „nur“ um einen ästhetischen Grund handelt, darf man nicht vergessen, dass die betroffenen Frauen einen sehr hohen Leidensdruck verspüren. Bei einigen Frauen bspw. können die Schamlippen so stark ausgeprägt sein, dass sie sich nicht im Bikini oder Unterwäsche zeigen möchten, weil sie Angst haben, dass sich etwas abzeichnet oder herausschauen könnte. Hier ist das Schamgefühl sehr groß und die Betroffenen fühlen sich stark in ihrem Leben beeinträchtigt.

info Medizin: Haben Sie schon erlebt, dass der Partner der Patientin eine Rolle bei der Entscheidung zu einer intimchirurgischen Operation gespielt hat?

Dr. Montanari: Nein, meine Patientinnen kamen bisher immer aus eigenen Beweggründen zu mir – was auch sehr wichtig ist. Solch einen Eingriff sollte man schließlich immer für sich selbst tun. Ich bin der Meinung man sollte niemanden operieren, weil der Partner das möchte. Diese Entscheidung sollte ganz klar von der Patientin selbst kommen. Viele meiner Patientinnen sagen sogar, dass ihre Partner überhaupt keinen Anlass sehen, sich im Intimbereich behandeln zu lassen. Diese finden Ihre Partnerinnen schön so wie sie sind.

info Medizin: In welchem Alter befinden sich Ihre Patientinnen hauptsächlich, die zu Ihnen in die Praxis kommen?

Dr. Montanari: Ich hatte Patientinnen im Alter von Anfang 20 bis 60 Jahren. Vereinzelt gibt es auch Fälle mit noch jüngeren Patientinnen, doch hier muss man immer kritisch hinterfragen und abklären, wann eine Operation sinnvoll oder notwendig ist. Wenn bspw. eine sehr starke Asymmetrie der Schamlippen besteht, spricht das schon eher für eine Operation.

Am häufigsten jedoch kommen Frauen Mitte 30 zu mir, die bereits fest im Berufsleben stehen. In einer Studie, die ich durchgeführt habe, konnte ich feststellen, dass es sich meistens um Frauen handelt, die genau wissen, worum es bei einem intimchirurgischen Eingriff geht. Sie sind meist schon gut informiert, was bei dem Eingriff passiert und wie die Nachbehandlung aussieht. Häufig haben meine Patientinnen schon seit Jahren über diesen Schritt nachgedacht, bevor sie dann zu mir in die Praxis kommen. Das ist also keine Entscheidung, die über Nacht gefällt wird.

info Medizin: Viele Frauen sind besorgt, sie könnten nach einer Operation im Intimbereich an Empfindungsstörungen leiden - dies spielt gerade im Hinblick auf den Geschlechtsverkehr eine große Rolle. Sind diese Sorgen denn begründet?

Dr. Montanari: Nein, von der Klitoris bleibt man bei den Eingriffen weit entfernt. Selbst bei einer Klitoris-Mantel-Straffung, d.h. wenn Gewebe der vorderen Schamlippen entfernt wird, entstehen keine Empfindungsstörungen. Natürlich lassen sich Narbenbildungen nach einer OP nicht vermeiden – an dieser Stelle ist dann das Gefühl etwas anders. Doch bei den Eingriffen, die ich durchführe, wird in einem Bereich der Schamlippen geschnitten, der in der Regel keinen hohen Empfindungsgrad hat. So entstehen für die Patientinnen anschließend gar keine Veränderungen.

info Medizin: Was würden Sie Frauen raten, die mit ihrem Intimbereich unzufrieden sind, sich aber noch nicht trauen, einen Arzt aufzusuchen? Wie würden Sie ihnen Mut zusprechen, sich fachgerecht beraten zu lassen?

Dr. Montanari: Meine Erfahrung zeigt, dass viele Frauen, die zu mir kommen und sich behandeln lassen eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität erfahren. Viele sagen sogar, hätten sie schon eher gewusst, dass sich ihr Leben so stark bessert, wären sie schon viel früher zu mir gekommen. Viele meiner Patientinnen wissen es auch wertzuschätzen, dass wir die Operationen mit einem komplett weiblichen Team durchführen können. Da ist man dann sozusagen „unter sich“. Außerdem ist es mir besonders wichtig zu vermitteln, dass ich die Anliegen meiner Patientinnen ernst nehme. Viele haben Angst, dass sie von ihrem Arzt nicht die nötige Wertschätzung für ihr Problem erhalten. Doch alle diese Frauen empfinden einen enormen Leidensdruck und diesen nehmen wir in meiner Praxis sehr ernst.

Quelle: infoMEDIZIN, 30.09.2014